Die Sandhas'n e.V.

Eine Premiere ist für alle Beteiligten immer ein ganz besonderer Abend. Ist in der Probenzeit die Stimmung eher gelassen und entspannt, macht sich bei der ersten Aufführung bei allen der gleiche Virus bemerkbar: Lampenfieber!

 

Texthefte werden nochmals gelesen, die Requisiten werden zum x-ten Male überprüft und Kostüme und Perücken bekommen ihren letzten Feinschliff. Doch genau diese Atmosphäre, wenn der Premierenzauber alle in seinen Bann zieht, lässt das Theaterherz höher schlagen.

 

Die Uhr tickt unaufhaltsam und der Beginn der Vorstellung rückt näher. Traditionell begeben sich alle hinter die Bühne und stimmen gemeinsam das Sandhas´n-Lied an. Das letzte „Langsam, laut und deutlich!“ der Regie erfolgt auch mehr aus Tradition, als dass es an die Spieler gerichtet ist. Der erste Gongschlag ertönt und das Publikum nimmt die Plätze ein, während hinter dem Vorhang nochmals die Notizen für die Begrüßung durchgegangen werden. Mit Gongschlag Nummer zwei gehen nun auch die Lichter im Saal aus und die Bühnenspots an. Der Vorstand tritt durch einen Vorhangspalt nach außen. Durch die Scheinwerfer ist zwar im Saal so gut wie nichts erkennbar, dennoch ist die Erwartung des Publikums auf das gleich folgende spürbar. Der erste spontane Applaus sorgt schon einmal für Erleichterung. Nach den Begrüßungsworten heißt es nun zum ersten Mal endlich: „Vorhang auf – Bühne frei für die G´spenstermacher!“

 

Doch noch öffnet sich der Vorhang nicht. Stattdessen verändert sich das Licht im Saal. Moorgeräusche untermalen die unheimliche Stimmung. Bisher von allen unbemerkt bahnt sich „Philomena“, die alte Dorfverrückte ihren Weg durchs Publikum, die mit ihrem Prolog nun endgültig das Stück einleitet.

 

Gspenstermacher PetraAufGesicht

Der Anspannung der Regie folgt nach einem Blick ins Publikum die erste Erleichterung. Der erste Effekt sitzt und kommt an wie geplant. Jetzt öffnet sich auch der Vorhang und auch das Bühnenbild wird nun zum ersten Mal „enthüllt“. Die anfangs gruselige Stimmung hält nicht lange an. Schon in den ersten Minuten ein lachendes Publikum, gleich zu Beginn der erste Szenenapplaus. Die Reaktion der Besucher sorgt zwar für Erleichterung, dennoch ist ein Stuhl für die Regie bei der Premiere überflüssig. An ruhiges und entspanntes Sitzen ist an diesem Abend nicht zu denken.

 

Nach dem ersten Akt macht sich hinter der Bühne eine spürbare Erleichterung bemerkbar. Alles hat funktioniert, die Souffleuse freut sich, dass sie nicht eingreifen musste und das Publikum lieferte den Beweis, dass es mit dem Stück zufrieden ist. Die Spieler rüsten sich nun für die zweite Runde. Kostüme werden gewechselt, in der Maske wird umgeschminkt. Falls notwendig kommt der Puderpinsel nochmals zum Einsatz, während der Inspizient die Requisiten für den zweiten Akt bereitstellt. Nachdem die Anspannung nun langsam schwindet ist manchem auch die Nahrungsaufnahme wieder möglich.

Gspenstermacher Manuel_Johanna

Im zweiten und dritten Akt werden die Lachmuskeln des Publikums kontinuierlich weiter strapaziert. Die Leistung der Spieler wird mit stetigem Applaus quittiert, der Regie fallen spürbar die Steine vom Herzen und ein entspannter Gesichtsausdruck macht die Erleichterung deutlich.

 

Nach drei Stunden ist es nun auch für die Darsteller geschafft und der lang anhaltende Schlussapplaus ist Lob und Anerkennung für das auf der Bühne geleistete. Es könnte keinen besseren Anlass als den Premierenabend geben, um alle Beteiligten einzeln vorzustellen und sich für die Leistung und das Engagement öffentlich zu bedanken.

 

Die gelungene Premiere der „Gspenstermacher“ hat bewiesen, dass sich die Arbeit gelohnt hat. Seit der ersten Leseprobe im Dezember haben alle viel zum Gelingen des Stücks beigetragen. Spieler haben ihrer Rolle einen Charakter gegeben und in der Maske wurde diesen der optische Schliff verliehen. Die Bühnenbauer verliehen neuen Türen alte Gesichter, alten Tapeten neue Anstriche und ließen die – eigentlich erst ein paar Wochen alte Moorschenke – in „heruntergekommenem Glanz“ erstrahlen. Mögen manch kleine Details vielleicht unauffällig sein oder gar unbemerkt bleiben, verleihen sie in unseren Augen unserem Bühnenbild den letzten Feinschliff.

 

Eine gelungene Premiere entschädigt auch die Zeit, die in ein solches Theaterstück investiert wurde. Darsteller, Regie, Souffleuse, Maske, Bühnenbau, Licht und Ton und auch der Kartenvorverkauf fordern einen zeitlichen Aufwand von ungefähr 1.200 Stunden. Doch auch wenn berufliche, private oder andere ehrenamtliche Verpflichtungen manchmal wenig Luft für Freizeit lassen, so überwiegt für uns Schauspieler die Leidenschaft für das Theater und die Magie, die das Theaterspielen entfacht.

 

Im folgenden der Bericht der Pegnitzzeitung zu unserem Dreiakter am 06.März 2015:

Premierenbericht Gspenstermacher 15022015

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